Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer - Einwanger Josef
 

Publikationen

Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer

Autor Einwanger Josef
Verlag Buch Verlag Kempen
Seiten 148
Gattung Jugendbuch
Themenbereich Historisches
Epoche 1900–1945
Ort München, Mühldorf
Regierungsbezirk Oberbayern
Suchbegriff Krieg, Nationalsozialismus, Luftkrieg, NS
Buchart Taschenbuch
ISBN | EAN 3965201263 | 9783965201262
ErschienenMärz 2021 (Kempen)

8,00 € Bestellen im Buchhandel

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1945, kurz vor Kriegsende.
Deutschland ist gespalten – die einen überzeugte Nazis, die anderen flehen, dass der Krieg einfach nur enden mag.
Inmitten von all dem ein Junge, der nicht weiß, was er denken soll.

Der zehnjährige Felix flieht mit seiner Mutter aus dem zerbombten München in einen kleinen Ort. Sein Vater dient an der Front – etwas worauf Felix stolz ist. Doch gleichzeitig wünscht sich Felix, dass der Krieg endet, sehnt sich nach Frieden. Gefangen zwischen den vermeintlichen Werten und zweifelhaften Versprechen für die Zukunft, weiß er nicht, was er denken und fühlen soll.
Als dann die Nachricht von dem Tod seines Vaters kommt , doch dieser kurz darauf ans Fenster klopft, ist die Verwirrung komplett …

„Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer“ beschreibt das Leben eines Jungen in der Nazizeit. Der Roman handelt von den Gefahren der Verführung durch die Kraft der NS-Symbole, der vermeintlichen „Werte“ und zweifelhaften Versprechen für die Zukunft. Darüber hinaus werden die Schrecken des tödlichen Krieges deutlich, die das Leben der Menschen damals bestimmten.

Schulisches Ergänzungsmaterial zu diesem Buch finden Sie unter dem Titel "Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer. Literaturprojekt".

Der Film zum Buch erscheint – voraussichtlich – 2021 in den Kinos!


 


Dear Mr. Führer - Verfilmung des Jugendromans "Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer"


Rezension

Der Schrecken von Mühldorf

Sie hätten tot sein können. Bei der Rückfahrt von Mühldorf nach Simbach stand ihr Zug unter heftigem Beschuss. Mutter und Sohn aus Josef Einwangers neuem Roman „Das Glaszimmer und ein Brief an den Führer“ haben überlebt. Sie waren von München aufs Land in die Nähe der „Hitlerstadt“ Braunau umgezogen. In ihrer Scheune verbirgt sich nun Felix‘ Vater, der an der Westfront gekämpft, diese aber heimlich verlassen hat, um zu Frau und Kind zu desertieren. Von der Ortsgruppenleitergattin, die nicht ahnt, dass der Soldat sich ganz in ihrer Nähe befindet, erfährt die Mutter, „dass es in Mühldorf noch Mehl und Zucker zu kaufen gebe … solange der Vorrat reiche“. Die Lebensmittelnot wächst. Also, auf nach Mühldorf! Mit dem Zug. „Gleich übermorgen. In der Frühe hin, am Nachmittag zurück“. Die Mutter fährt. Ihr Zehnjähriger begleitet sie.

Um 11.45 Uhr kommen sie am Bahnhof Mühldorf an. Den Stadtberg (bei Einwanger: die Bergstraße) müssen sie hinunter, zur Ausgabestelle in der Altstadt. Plötzlich: Fliegeralarm. „Stufe II“. Felix kennt sich aus. Sirenen jaulen auf. Chaos. Gerenne. Anweisung: „In den Schwaiger-Keller, gleich hier an der Straßenwende!“ Der alte Bierkeller füllt sich. „Der Bunker bebt. Die Leute zittern.“ So einen Bombenhagel hat man hier noch nie erlebt, seit der Hitler-Krieg wütet. Später weiß man, was es war: „ein verheerender tödlicher Angriff“.

Ein Wunder, dass Mutter und Sohn mit heiler Haut - wenn auch nach Strapazen sondergleichen und mit leeren Taschen - ihr Dorf erreichen. Sie überleben die Tieffliegerangriffe, stets die Angst im Nacken, den daheim versteckten Vater nicht mehr zu sehen. Nach drei Stunden nächtlichen Fußwegs wirft Felix sich auf die Matratze in seinem „Glaszimmer“, wo bunte Scherben von der Decke baumeln und magisch funkeln. Das Feuer von Mühldorf hat man, so ist am nächsten Tag zu erfahren, im Dorf gesehen und den Gestank der Rauchschwaden gerochen. Felix trifft seine Freunde und berichtet: „In Mühldorf haben die Amis mit fünfhundert Bombern angegriffen, ich war mit meiner Mama im Luftschutzkeller. Uns ist nichts passiert. Es gab viele Tote …“

Von hundertdreißig Toten in Mühldorf redet Einwangers Ortsgruppenleiter Feik: „Mit den Flying Fortress und Mustangs haben sie angegriffen“. Sie? Er meint die Amis. „Über sechstausend Bomben auf Bahnhof und Stadt. Unmenschlich. In Italien waren sie gestartet …“

Seinen kleinen Helden lässt Josef Einwanger zum Eierdieb bei den Feiks werden. Kehrte man doch ohne Mehl und Zucker aus Mühldorf zurück. Felix‘ Mutter entschuldigt sich für den Diebstahl ihres Buben bei der Nachbarin: „Ja, weil Krieg und Not. Auch Felix steckt noch der Schrecken von Mühldorf in den Knochen, in der Seele …“ Frau Feik hat ein Nachsehen. Sie bittet Felix nur: „Erschreck nicht wieder unsere Hühner!“

Josef Einwanger erweist sich in dieser Szene, dem schweren Bombardement auf Mühldorf am Josefitag des letzten Kriegsjahres 1945, als relativ gut informierter Verfasser. 250 B-17-Flying Fortresses flogen, so ist inzwischen gesichert, die Luftangriffe der Amerikaner, dazu 450 Mustangs und Lightnings. Die Stadt wurde von 6.000 Bomben getroffen. 3.500 davon trafen allein das Bahnhofsgelände. 2.000 Eisenbahnwaggons wurden zerstört, der Bahnhof selbst nahezu ganz. 129 Menschen starben.

Der 2020 verfilmte, lesenswerte Roman des in Niederbayern geborenen und in Kiefersfelden lebenden 86-jährigen Schriftstellers (dessen 2007 ebenfalls verfilmtes Buch „Toni Goldwascher“ noch in guter Erinnerung sein dürfte) verarbeitet das für Mühldorfs neuere Stadtgeschichte bedeutsame Kriegsereignis höchst überzeugend. Vor allem bei jungen Leserinnen und Lesern in der Region könnte sein Buch Diskussionsthema zum Leben und Überleben in der Nazizeit werden. Einwangers Lektor Hans-Jürgen van der Gieth veröffentlichte hierzu ein „Literaturprojekt“. Es erschließt Inhalt und Aussage des Romans. Einwangers spannender, humorvoll erzählter Text lässt die NS-Zeit in Bayern für Jugendliche ab der 6. Jahrgangsstufe in ganz besonderer Weise erlebbar werden. Die Gegend am unteren Inn, in der der Roman spielt, wird darin zum erlebnisnahen Schauplatz von Geschichte.

 Hans Gärtner für litera-bavarica.de

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Berichterstattungen
Süddeutsche Zeitung (27.06.2021)

Brief nach Braunau
Josef Einwanger erzählt von seiner Jugend in der NS-Zeit

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