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Der Naturraum Bayerischer Wald

Die vorliegende Publikation bildet die erste grenzüberschreitende Gesamtdarstellung der pleistozänen Vergletscherung im Naturraum Bayerischer Wald – Šumava. Ergänzend werden ursächlich mit der Vereisung des Mittelgebirges entstandene Vorkommen von goldführenden Schwermineralseifen beschrieben. Eine Übersichtskarte als Beilage zeigt sowohl die Vereisungszentren als auch Bereiche und Spuren der historischen Goldgewinnung. Auf erstmals angewandten Geländemodellen nach Laserscan-Befliegungen beruhen genaueste Aufnahmen der Geländeoberfläche (Höhenauflösung 2–5 dm).

In einführenden Kapiteln werden in einem Überblick geologisch-geomorphologische Grundlagen beschrieben sowie glaziale, periglaziale, fluvioglaziale und nivale Prozesse erläutert, im Einzelnen zu Moränen und Schneegrenzen, Permafrost und Solifluktion, Frostmusterböden und Blockmeeren, Tal- und Karbildung. Anschließend werden die Gletschertypen in den sieben Vereisungszentren des Naturraums dargestellt. Mit Ausnahme des Arbergebietes befinden sich alle entlang des Grenzkammes. Dokumentiert sind die maximalen Gletscherstände im Würmhochglazial (am Arber im Zeitraum zwischen ca. 20 700 und 18 700 vor heute) sowie die maximalen Vorstöße im Rißglazial. Bemerkenswert ist der Nachweis eines kurzzeitigen Wiedervorstoßes am Arber um 15 700 (+/- 1700) Jahre vor heute.

Der zweite Hauptteil der Publikation befasst sich mit den Vorkommen von Seifengold im Umfeld der Vereisungszentren. Primär handelt es sich um Gold und Wismut aus metamorphen Gesteinen des Moldanubikums. Sekundär sind es fluvioglazial bis glazifluvial durch Schmelzwässer angereicherte Mineralseifen. Liefergebiet ist u. a. die Region um den Großen Falkenstein. Die Schürfgruben, Trichter und Halden der hier bekannten 20, im weiteren Umkreis ca. 50 Grubenfelder stammen aus dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. Die Geländespuren wurden lange Zeit als Toteisbildungen fehlinterpretiert. Die Bergbaubereiche sind auch hier durch die Laservermessung in den digitalen Geländemodellen genauestens erfasst.

Die von den Autoren in vielen Jahren in ihren Spezialgebieten erarbeiteten Ergebnisse bilden einen Meilenstein in der „Landesdurchforschung“, begonnen von Mathias von Flurl Ende des 18. und Carl Wilhelm von Gümbel im 19. Jahrhundert. Eindrücklich ist die Ausstattung der Arbeit mit einer Vielzahl an sehr guten Abbildungen, ergänzt um Schummerungskarten aus digitalen Geländemodellen. Verdienstvoll ist zudem das ausführliche Literaturverzeichnis.

Das Werk wird als Anregung und als Fachbuch für geologisch-geomorphologische Exkursionen bestens empfohlen, ebenso allen an der Landschaftsentstehung allgemein Interessierten. Nicht zuletzt spürt man darin auch die elementare Wirkung und die Schönheit der Natur, wie sie in der Welt Adalbert Stifters anklingen, der sich in seinen Erzählungen und Romanen immer wieder von der Landschaft des Bayerischen Waldes inspirieren ließ.

 Hermann Jerz

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Diese Buchbesprechung hat uns die „Zeitschrift „Schönere Heimat“ zur Verfügung gestellt.

Der Naturraum Bayerischer Wald